28 Feb. 2026, Sa.

Hessens Kommunalwahlen brauchen mehr als Wahlzettel – sie brauchen Menschen

Es ist ein stiller Alarm, der derzeit durch Hessens Rathäuser hallt. Kein Skandal, kein Parteienstreit, kein Wahlkampfgetöse – sondern eine ganz grundlegende Frage der Demokratie: Wer sorgt eigentlich dafür, dass Wahlen funktionieren? Rund zwei Monate vor den Kommunalwahlen am 15. März 2026 wird immer deutlicher, dass genau hier ein ernstes Problem liegt. In vielen Städten und Gemeinden fehlen Tausende Wahlhelferinnen und Wahlhelfer. Ohne sie aber kann keine Wahl ordnungsgemäß stattfinden.

Die Aufgaben dieser Helfer sind weder spektakulär noch politisch aufgeladen, aber sie sind unverzichtbar. Sie organisieren die Stimmabgabe, achten auf einen korrekten Ablauf in den Wahllokalen und zählen am Ende die Stimmen aus. In Hessen geht es dabei nicht um eine einzelne Wahl, sondern um ein komplexes demokratisches Großereignis: Stadt- und Gemeinderäte, 21 Kreistage, Ausländerbeiräte und mehrere Bürgermeisterämter werden neu bestimmt. Millionen Stimmen müssen geprüft, sortiert und gezählt werden – sorgfältig, transparent und nachvollziehbar.

Doch genau dafür fehlen vielerorts die Menschen. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. In Fulda werden rund 1.500 Wahlhelfer benötigt, doch die freiwilligen Meldungen reichen nicht aus. Die Stadt denkt bereits darüber nach, Bürger offiziell zum Wahldienst zu verpflichten – ein Schritt, der rechtlich möglich, politisch aber heikel ist. In Wiesbaden werden etwa 2.200 Helfer gebraucht, gemeldet haben sich bislang rund 1.700. In Hanau fehlen Hunderte, in Kassel sind noch etwa 100 Stellen unbesetzt. Es ist kein lokales Problem, sondern ein landesweites.

Die Kommunen versuchen gegenzusteuern. Sie werben, informieren, appellieren. Sie zahlen ein sogenanntes Erfrischungsgeld als Aufwandsentschädigung. Doch all das reicht bislang nicht aus. Offenbar ist die Bereitschaft, einen Sonntag für das Gemeinwesen zu investieren, geringer geworden. Das mag viele Gründe haben: Zeitmangel, Desinteresse, vielleicht auch eine wachsende Distanz zur Politik insgesamt. Gerade deshalb ist die aktuelle Lage so bezeichnend.

Denn Demokratie ist kein Selbstläufer. Sie besteht nicht nur aus Wahlprogrammen, Plakaten und Fernsehdebatten. Sie funktioniert nur, wenn genügend Bürger bereit sind, Verantwortung zu übernehmen – auch dort, wo es keine große Bühne gibt. Wahlhelferinnen und Wahlhelfer stehen nicht im Rampenlicht, aber sie tragen eine der wichtigsten Rollen im politischen System.

Wenn nun sogar darüber nachgedacht werden muss, Menschen zum Wahldienst zu verpflichten, ist das ein Warnsignal. Nicht für das Wahlrecht, sondern für die demokratische Kultur. Eine Demokratie, die auf Zwang angewiesen ist, um ihre eigenen Verfahren aufrechtzuerhalten, verliert an innerer Stärke.

Noch ist es nicht so weit. Noch ist Zeit, freiwillig mitzumachen. Der Wahlsonntag am 15. März 2026 rückt näher, aber er ist kein fernes Datum. Er ist ein Prüfstein dafür, wie belastbar das demokratische Fundament im Alltag ist. Hessen sucht Wahlhelfer – und damit Bürger, die bereit sind, für einen Tag Verantwortung zu tragen. Nicht für eine Partei, nicht für eine Meinung, sondern für das Funktionieren der Demokratie selbst. +++

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